Die "goldenen" Jahres des SV Alsenborn

Weltmeister Fritz Walter, der seit 1965 in Alsenborn wohnt, trainierte damals den SV Alsenborn in der A-Klasse. Der Bauunternehmer Hannes Ruth, der mit Fritz Walter beim 1. FC Kaiserslautern spielte, kam ebenfalls zum SV Alsenborn. Beide waren davon überzeugt, dass der SV Alsenborn mit den "Großen" in der Bundesliga mitspielen könnte.

In seinem Buch "Alsenborn - Aufstieg einer Dorfmannschaft" berichtete Fritz Walter, dass die Idee, den kleinen Verein Zug um Zug aufzubauen, beim Pokalfinale zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon in Amsterdam geboren wurde - der Schwur von Amsterdam.

Bauunternehmer Hannes Ruth versuchte, die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, Fritz Walter sollte mit seinem ruhmreichen Ansehen und dem darauf resultierenden Einfluss neue Spieler engagieren. Präsident und Sanitätsarzt Dr. Leopold Dietzel, nach dem heute ein Platz in Alsenborn benannt ist, übernahm die sparsame Haushaltsführung.

Drei Meisterspieler des 1. FC Kaiserslautern, Torwart Willi Hölz, Außenläufer Otto Render und Erwin Rödler wechselten zum SV Alsenborn. Zahlreiche Talente des Sportvereins entwickelten sich zu Spielern, die später in der 1. und 2. Bundesliga ihren Einsatz fanden. Hierzu zählte auch Lorenz Horr, ein brillianter Techniker und glänzender Mannschaftsspieler mit exzellenten Führungsqualitäten. Lorenz Horr war 1969, als er von Alsenborn nach Berlin wechselte, der bis dahin teuerste Transfer der deutschen Fußballgeschichte.

Der SV Alsenborn feierte Jahr für Jahr große Erfolge, 1962/63 Meister in der A-Klasse, dann 1963/64 Meister in der Bezirksliga, nach der folgenden Runde 1964/65 Meister in der 1. Amateurliga, verbunden mit dem Sprung in die Regionalliga, damals die zweithöchste Spielklasse hinter der Bundesliga.

1968 wurde mit der ersten von drei Meisterschaften die Teilnahme an den Aufstiegsrunden zur Bundesliga errungen. Der SV Alsenborn belegte in der Abschlusstabelle hinter Herta BSC Berlin und Rot-Weiß Essen den dritten Platz.

Aufstiegsrunde 1968

18.05.19681. SC Göttingen 05 - SV Alsenborn3:0
26.05.1968SV Alsenborn - Hertha BSC Berlin2:1
29.05.1968Bayern Hof - SV Alsenborn2:1
03.06.1968SV Alsenborn - Rot-Weiß Essen1:1
12.06.1968SV Alsenborn - 1. SC Göttingen 053:2
16.06.1968Rot-Weiß Essen - SV Alsenborn3:2
19.06.1968SV Alsenborn - Bayern Hof2:1
23.06.1968Hertha BSC Berlin - SV Alsenborn1:1

VereinSpieleGUVTorePunkte
Hertha BSC Berlin843112:7+511:5
SC Rot-Weiß Essen83329:9+09:7
SV Alsenborn832312:14-28:8
1. SC Göttingen 05831410:11-17:9
FC Bayern Hof821512:14-25:11

Nach der Meisterschaft in der Regionalliga 1969 fehlte lediglich ein Punkt zum Aufstieg in die deutsche Paradeklasse. Hinter dem SC Rot-Weiß Oberhausen und dem FC Freiburg belegte der SV Alsenborn wiederum den dritten Platz in der Abschlusstabelle.

Aufstiegsrunde 1969

24.05.1969SV Alsenborn - SC Rot-Weiß Oberhausen1 : 4
28.05.1969VfB Lübeck 1919 - SV Alsenborn0 : 3
04.06.1969SV Alsenborn - FC Hertha 03 Zehlendorf4 : 0
08.06.1969Freiburger FC - SV Alsenborn2 : 3
11.06.1969SV Alsenborn - VfB Lübeck 19196 : 2
15.06.1969SC Rot-Weiß Oberhausen - SV Alsenborn4 : 1
18.06.1969SV Alsenborn - Freiburger FC2 : 0
22.06.1969FC Hertha 03 Zehlendorf - SV Alsenborn3 : 0

VereinSpieleGUVTorePunkte
SC Rot-Weiß Oberhausen851217:9+811:5
Freiburger FC851216:10+611:5
SV Alsenborn850320:15+510:6
FC Hertha 03 Zehlendorf831415:16-17:9
VfB Lübeck 1919801710:28-181:15

Nach der dritten und letzten Meisterschaft in der Regionalliga im Jahr 1970 endete die Aufstiegsrunde erneut mit dem dritten Platz – dieses Mal hinter DSC Arminia Bielefeld und dem Karlsruher SC.

Aufstiegsrunde 1970

27.05.1970SV Alsenborn - DSC Arminia Bielefeld0 : 1
30.05.1970Tennis Borussia Berlin - SV Alsenborn0 : 1
03.06.1970SV Alsenborn - VfL 1899 Osnabrück3 : 2
06.06.1970Karlsruher SC - SV Alsenborn2 : 0
13.06.1970SV Alsenborn - Tennis Borussia Berlin5 : 1
17.06.1970DSC Arminia Bielefeld - SV Alsenborn3 : 0
24.06.1970SV Alsenborn - Karlsruher SC2 : 3
27.06.1970VfL 1899 Osnabrück - SV Alsenborn0 : 1

VereinSpieleGUVTorePunkte
DSC Arminia Bielefeld852113 : 3+1012 : 4
Karlsruher SC851216 : 8+811 : 5
SV Alsenborn840412 : 12+08 : 8
Tennis Borussia Berlin81347 : 13-65 : 11
VfL 1899 Osnabrück81256 : 18-124 : 12

Doch nach drei Jahren Aufstiegsspiele - die Heimspiele des SV Alsenborn wurden im weiträumigen Ludwigshafener Südwest-Stadion absolviert - war der Schwung erlahmt. Der SV Alsenborn verkaufte insgesamt 31 Spieler an Vereine im bezahlten Fußball, hierunter auch Reinhard Meier und Fritz Fuchs an den 1. FCK, Walter Frosch zunächst an den FC Bayern München, dann an den 1. FCK, Torhüter Franz Schwarzwälder ging zum 1. FC Nürnberg, "Baxter Adler" ging zu Mönchengladbach, Alban Wüst wechselte zum FC Schalke 04.

Trainer Otto Render verunglückte 1969 im Alter von beinahe 43 Jahren auf der Rückfahrt vom Training auf der Lautertalbrücke der Bundesautobahn A 6 tödlich. Sein Wagen geriet ins Schleudern, prallte gegen ein Brückengeländer und stürzte 30 Meter in die Tiefe.

Die Qualifikation zur 1975 neu eingeführten 2. Bundesliga war für alle Vereine schwierig. Der Deutsche Fußball-Bund klügelte ein Punktesystem aus, wonach sich die Vereine sportlich zu qualifizieren hatten. Gleichzeitig aber wurden den Vereinen Auflagen technischer und wirtschaftlicher Art genannt, die sie erfüllen mussten. Der SV Alsenborn konnte zwar die sportlichen, jedoch keinesfalls die technischen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllen.

Der SV Alsenborn wurde vom Südwest-Zulassungsausschuss zunächst für die 2. Bundesliga nominiert, nach Einspruch des knapp dahinter liegenden 1. FC Saarbrücken aber wieder vom Regionalverband Südwest zurückgewiesen. Der SV Alsenborn wandte sich an die Zivilkammer in Kaiserslautern und erwirkte dort eine einstweilige Verfügung, wonach der Vorstandsbeschluss aufgehoben und ein Verbandsgericht des Regionalverbandes erneut die Lage zu überprüfen hatte. Das Verbandsgericht wertete Alsenborns sportliche Qualifikation höher, womit wiederum der SV Alsenborn der "Favorit" für die 2. Fußball-Bundesliga war. Nunmehr erhoben der 1. FC Saarbrücken und der Vorstand des Fußball-Regionalverbandes gegen die Feststellung Einspruch beim Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Der Deutsche Fußball-Bund erteilte zunächst dem sportlich qualifizierten SV Alsenborn den Vorrang, um dann doch – nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts – den scheinbar wirtschaftlich besser gestellten 1. FC Saarbrücken zu bevorzugen. Die Lizenz wurde wegen technischer Unzulänglichkeiten an der Platzanlage und wirtschaftlicher Unsicherheit bei der zukünftigen Entwicklung verwehrt.

Ganz Fußball-Deutschland war empört der Auffassung, dass der DFB-Mann Hermann Neuberger, Ehrenmitglied des 1. FC Saarbrücken, diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst hatte. Tatsächlich spielte er bei den Entscheidungen keine Rolle. Die verantwortlichen Gremien konnten nicht ahnen, dass dem scheinbar finanziell besser gestellten 1. FC Saarbrücken einige Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz entzogen werden musste und er in die dritte Klasse verwiesen wurde.

Der SV Alsenborn spielt heute in der B-Klasse, ist Besitzer einer märchenhaften Erinnerung, einer Sportanlage mit Klubhaus, drei Fußball- und vier Tennisplätzen.

Sportlicher Werdegang

SaisonLigaPunkteToreErgebnis
1949/50Amateurliga Westpfalz20:3243:7611. Platz
1950/51Amateurliga Westpfalz23:2959:708. Platz
1951/52Amateurliga Westpfalz34:1868:583. Platz, Aufstieg Amateurliga Südwest
1952/53Amateurliga Südwest32:2887:805. Platz
1953/54Amateurliga Südwest22:3848:9714. Platz
1954/55Amateurliga Südwest 7:5325:16716. Platz, Abstieg 2. Amateurliga Westpfalz
1955/562. Amateurliga Westpfalz 6:54 16. Platz, Abstieg
1956/62A-Klasse
1962/63A-Klasse52:81. Platz, Aufstieg 2. Amateurliga Westpfalz
1963/642. Amateurliga Westpfalz50:10117:391. Platz, Aufstieg Amateurliga Südwest
1964/65Amateurliga Südwest53:1598:341. Platz, Aufstieg Regionalliga Südwest
1965/66Regionalliga Südwest30:3057:559. Platz
1966/67Regionalliga Südwest32:2858:438. Platz
1967/68Regionalliga Südwest51:987:211. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga
1968/69Regionalliga Südwest44:1669:251. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga
1969/70Regionalliga Südwest47:1369:231. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga
1970/71Regionalliga Südwest38:2277:495. Platz
1971/72Regionalliga Südwest38:2263:383. Platz
1972/73Regionalliga Südwest31:2952:478. Platz
1973/74Regionalliga Südwest27:3341:4810. Platz, Regionalliga wird aufgelöst
1974/75Amateurliga Südwest38:3459:5310. Platz
1975/76Amateurliga Südwest27:4156:7314. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz
1976/77Bezirksliga Westpfalz41:2778:456. Platz
1977/78Bezirksliga Westpfalz50:18105:412. Platz, Aufstieg Verbandsliga Südwest
1978/79Verbandsliga Südwest39:2969:536. Platz
1979/80Verbandsliga Südwest27:4165:7315. Platz
1980/81Verbandsliga Südwest30:3850:6812. Platz
1981/82Verbandsliga Südwest27:4155:7716. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz
1982/83Bezirksliga Westpfalz46:2279:431. Platz, Aufstieg Verbandsliga Südwest
1983/84Verbandsliga Südwest35:3366:559. Platz
1984/85Verbandsliga Südwest46:2257:283. Platz
1985/86Verbandsliga Südwest18:5043:6718. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz
1986/87Bezirksliga Westpfalz28:4041:5215. Platz
1987/88Bezirksliga Westpfalz26:4237:5718. Platz, Abstieg

Teilnahme am DfB-Pokal

1965/661. RundeEintracht Frankfurt - SV Alsenborn2 : 1
1968/691. RundeSV Alsenborn - MSV Duisburg2 : 1
1968/69AchtelfinaleFC Schalke 04 - SV Alsenborn3 : 1
1969/701. RundeSV Alsenborn - FC Schalke 041 : 5
1970/711. RundeSV Alsenborn - Borussia Mönchengladbach1 : 1 n. V.
1970/711. RundeSV Alsenborn - Borussia Mönchengladbach1 : 3
1971/721. RundeSV Alsenborn - Fortuna Düsseldorf0 : 3

Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München

In einem Freundschaftsspiel traf der SV Alsenborn am 07. April 1969 auf die Mannschaft des FC Bayern München. Gegen den Favoriten um die Deutsche Fußballmeisterschaft und den Pokal zogen sich die Mannen des Südwestmeisters vor 16.000 Zuschauern im Südweststadion in Ludwigshafen achtbar aus der Affäre.

SV Alsenborn: Schwarzwälder - Oberle, Rödler, F. Fuchs, W. Fuchs, Röhrung, Horr, Feldmüller (ab 46. Volk), Wüst, Schwehn (ab 60. Schmitt), Adler. Trainer: Otto Render.

Bayern München: Kosar - Kupferschmidt, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Pumm, Schmidt, Ohlhauser, Starek (ab 49. Müller), Roth (ab 46. Jung), Müller (ab 46. Michel), Brenninger. Trainer: Branco Zebec.

Tore: 0:1 (22.) Schmidt, 0:2 (24.) Müller, 1:2 (40.) Wüst, 1:3 (60.) Brenninger, 2:3 (87.) Schmitt, 2:4 (88.) Brenninger.

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