Die Juden in Mehlingen

Namen von Juden in Mehlingen erfahren wir erstmals aus einer Einwohnerliste der Gemeinde Mehlingen von 1803. Hiernach hatten 12 Familien in acht eigenen Häusern in der Klosterstraße und Königstraße Unterkunft gefunden (56 Bewohner). In den Standesamtsakten finden wir den Namen des ersten israel. Lehrers Moses Emanuel, der von 1780 bis 1800 Unterricht erteilte.

Das Schulhaus stand in der Klosterstraße und wurde nach dem zweiten Weltkrieg abgerissen. Im Jahre 1808 wohnten bereits 15 jüdische Familien in Mehlingen. Das französische Kaiserreich gewährte den Juden zwar mehr Freiheiten als zuvor die Grafen von Wartenberg, doch ein kaiserliches Dekret vom 15.03.1808, von den Juden als "infames Dekret" bezeichnet, brachte Einschränkungen. Die Juden durften keinen Militärdienst leisten, der Handel wurde lizensiert, die Zinsforderungen herabgesetzt. Für die Handel treibenden Juden wurden Patente ausgestellt. Wucher und unerlaubter Handel waren verboten. Die Friedensrichter, später die Bürgermeister, stellten Zeugnisse für die Patenterteilung aus.

Die Juden führten nach altem Brauch ihren Abstammungsnamen, dem sie den Namen des Vaters oder Herkunftsortes beifügten. Mit kaiserlichem Dekret vom 30.05.1808 wurde das geändert.

Nunmehr mussten die Juden einen bürgerlichen Namen annehmen. In Obermehlingen erschienen nach einem Protokoll vom 01.11.1808 die ortsansässigen Juden vor dem Maire, um ihre neu angenommenen Namen eintragen zu lassen.

Das Bürgerrecht wurde den Juden schon 1813 im Königreich Bayern und später auch in den "Landen über dem Rhein" gewährt. Die Juden wurden waffenfähig. Bei einer Heirat wurde in den Akten vermerkt, dass der Bräutigam sich zur Musterung gestellt hatte. Auch den Mehlinger Juden bot sich nun die Möglichkeit, weitere Berufe zu ergreifen. Sie bevorzugten aber weiterhin die bislang ausgeübten Berufe als Händler und Makler, gelegentlich auch als Metzger, Friseur oder Schuhmacher. Ihr Gewerbe brachte aber nicht viel ein. So mussten sie ein äußerst sparsames Leben führen. Bis zum Jahr 1840 war die Zahl der jüdischen Einwohner in Mehlingen auf 80 angestiegen. Die Jüngeren suchten aber zunehmend einen Erwerb in Kaiserslautern oder Mannheim, Frankfurt und im Saarrevier.

Im Jahre 1860 lebten nur noch 24 Juden in Mehlingen. Geblieben waren die verarmten, älteren Bürger mit erwerbslosen Kindern. Mit den Tod dieser Wenigen schwand die Zahl der Juden bis 1920 auf 8 und zu Beginn der Naziherrschaft gab es keine Juden mehr im Ort. Ein Pogrom wie im benachbarten Sembach fand daher nicht statt.


Aus: "Mahnende Zeugen der Vergangenheit" von Lothar Horter und Michael Tilly


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