3.3. Folgeprojekte und Auseinandersetzungen 1953 / 54

Im ersten Halbjahr 1953 war Gelände für eine Zufahrtstraße zur Air Base, eine Straße zum Heuberg, ein Brennstofflager im Alsenztal und eine Pipeline beschlagnahmt worden. Diese Projekte erforderten jedoch nur vergleichsweise wenig Land, und die Notwendigkeit ihrer Verwirklichung wurde in Sembach eingesehen. Auch bemühten sich die Amerikaner um eine einvernehmliche Regelung. Es fanden Konferenzen und Besprechungen unter Beteiligung der deutschen Stellen statt, so dass Anregungen berücksichtigt werden konnten, die die Härte der Beschlagnahme im Einzelfall milderten. Der Schriftverkehr zwischen amerikanischen Behörden und dem Bürgermeisteramt Sembach unterscheidet sich deutlich von dem, den die Franzosen mit den Deutschen geführt hatten. Die US-Stellen schrieben nicht nur in inem höflicheren Tonfall, sie schrieben auch auf deutsch oder fügten zumindest eine Übersetzung bei. Die Sembacher konnten sich von den Amerikanern ernstgenommen fühlen, während die Franzosen, denen die Kontrolle des in der Vergangenheit so gefährlichen Nachbarn wichtiger als die Stärkung der NATO war, sie mit der Herablassung von Besatzern behandelt hatten.

Aber noch hatten sich die Gemüter nicht völlig beruhigt. Ende November 1953 entstanden erneut letztlich unbegründete Befürchtungen in der Bevölkerung Sembachs, da in der Umgebung des wenige Wochen später fertiggestellten Flugplatzes vorgenommene Vermessungsarbeiten einen Umfang annahmen, der auf Pläne zur Beschlagnahme weiteren Geländes hinwies. Die Parallelität zu den Ereignissen im April 1952 ist offensichtlich. Das Misstrauen der Vevölkerung gegenüber den Amerikanern und Franzosen hatte sich innerhalb dieser Zeit anscheinend nicht nennenswert verringert. Doch bauten sich die Spannungen im Laufe der Zeit mehr und mehr ab. Dazu trug nicht zuletzt die nunmehr offene Informationspolitik der Amerikaner bei, die z.B. Ende Dezember 1954 eine weitere geplante Geländevermessung langfristig ankündigten, anstatt wie früher ohne die Sembacher zu unterrichten mit den Arbeiten zu beginnen.

Als die Amerikaner im April 1954 die Erweiterung der Siedlungsanlage auf dem Heuberg planten, kam es zu keinen größeren Schwierigkeiten bei den notwendigen Landrequisitionen, da man von Anfang an darauf verzichtete, kochwertiges Ackerland zu beschlagnahmen. Auch konsultierte man deutsche Stellen bis hin zur Landesregierung, die erfolgreich Vorschläge machten, wie die notwendigen Requisitionen auf das unbedingt notwendige Mindestmaß reduziert werden konnten. Darüber hinaus wurde die deutsche Forderung durchgesetzt, die Wohnsiedlung Heuberg nicht einzuzäunen und ihre Straßen auch für zivilen deutschen Verkehr freizugeben. Auch auf eine Landbeschlagnahme für die Erweiterung eines Feldweges einigte man sich im Oktober dieses Jahres, da dieses Vorhaben auch dem zivilen Verkehr zugute kam. Im Zusammenhang mit diesen Beschlagnahmeaktionen wurde von den Sembachern geäußert, dass "sie im Falle der Regelung der Entschädigungsfrage [...] keinerlei Schwierigkeiten mehr machen würden". Von einem grundsätzlichen Widerstand gegen Landverluste war nicht mehr die Rede, im Gegenteil: Die Entschädigung nach dem festgelegten Modus wurde als durchaus lohnender Gegenwert für die beschlagnahmten Äcker angesehen, während noch 1952 vereinzelt Stimmen laut geworden waren, die das Land zurückforderten.

Rückschauend stellte die Rheinpfalz 1957 fest, dass mittlerweile auf "der Oberfläche alles glatt zu sein" schien, da die Bauern durch die Nutzungsentschädigung, "die einer guten Pacht entspricht", oder durch endgültigen Verkauf der beschlagnahmten Äcker finanziell ausreichend entschädigt worden waren. Allerdings wollte der Reporter dieser Zeitung "aus einer kleinen Bewegung, aus einer resignierenden Geste" erkennen, wie sehr die Sembacher innerlich noch unter ihren Landverlusten litten.

Ein letztes Mal ging es 1960 um Sembacher Land: In diesem Jahr wollten die Amerikaner ein ca. 3 ha großes Gelände für die Anlage eines Golfplatzes pachten, was die Eigentümer aber mit der Begründung ablehnten, dass ihre durch die Requisitonen seit 1951 stark belasteten landwirtschaftlichen Betriebe keine weitere Verkleinerung mehr verkraften könnten. Mag sein, dass sie auch eine gewisse Genugtuung dabei empfanden, endlich einmal den Amerikanern Land verweigern zu können. Da sich nämlich die in Frage kommenden 3 ha auf mehrere Landwirte verteilten, kann wohl kaum ernsthaft von einer Existenzgefährdung der betroffenen Betriebe gesprochen werden.


Aus: "U.S. Air Base Sembach: Von der ersten Landbeschlagnahme zu Abzug und Konversion" von Winfried Herget und Walter G. Rödel aus dem Jahr 1995


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