9. Zusammenfassung

Die Probleme, die sich für die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn aus dem Abzug der Amerikaner ergeben, zeigen deutlich, wie sehr der Luftwaffenstützpunkt Sembach in den zurückliegenden 40 Jahren in das Wirtschaftsleben der Region integriert worden ist. Die noch 1951 geäußerten Befürchtungen, Sembach stehe durch den Bau des Flugplatzes vor dem ökonomischen Ruin, erwiesen sich schon wenige Jahre später als gegenstandslos. Sembach konnte sogar nach der Ankunft der Amerikaner eine gewisse wirtschaftliche Blüte erleben, die es angesichts der Strukturprobleme der Landwirtschaft in den 1950er Jahren sicher nicht ohne den Flugplatz erreicht hätte.

Nachdem mit der Ankunft der ersten Amerikaner 1953 deutlich geworden war, dass durch die Air Base viel Geld ins Land gebracht wurde, fanden die erregten Proteste der mittlerweile in befriedigender Höhe für ihre Landverluste entschädigten Bauern ein schnelles Ende. Man fand sich angesichts des wirtschaftlichen Aufschwunges mit den Nachteilen der Anwesenheit des Militärs ab. Nachteilige Veränderungen des Landschaftsbildes, Fluglärm, Manöverschäden, in geringerem Umfang als anderswo Kriminalität, betrunkene Soldaten und Schlägereien – das alles nahm man hin, ohne dass es zu größeren Auseinandersetzungen mit den Amerikanern kam. Die gute Zusammenarbeit zwischen den örtlichen deutschen Behörden und der Flugplatzkommandantur, die sich mit dem Kompromiss anbahnte, die Housing-Area auf dem Heuberg zu errichten, funktionierte im Regelfall bis zur Aufgabe der Sembacher Air Base. Wie das Beispiel der Fluglärmproteste des Jahres 1988 zeigte, funktionierte sie auch unter größeren Belastungen, was für die Stabilität des guten Verhältnisses der behördlichen Stellen spricht.

Trotz mannigfaltiger deutsch-amerikanischer Aktivitäten, gegenseitiger Hilfeleistungen und Kontakte bleibt allerdings festzustellen, dass auf privater Ebene abseits offizieller Veranstaltungen in Sembach ebenso wie in vielen anderen rheinland-pfälzischen Garnisonsstädten der Umgang zwischen Deutschen und Amerikanern eher zurückhaltend war, was jedoch wohl eher auf strukturelle Probleme als auf mangelnden gute Willen zurückzuführen ist.


Aus: "U.S. Air Base Sembach: Von der ersten Landbeschlagnahme zu Abzug und Konversion" von Winfried Herget und Walter G. Rödel aus dem Jahr 1995


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