Juden in Sembach

Die erste Kunde von Juden in Sembach erfahren wir aus den Renovationsprotokollen der Schultheißerei Sembach aus dem Jahre 1725. Hiernach waren bereits ansässig:

Burg mit 2,5 Morgen, Haus, Hofraidt und Pflanzgarten
Nachtmann (später Nathan Loeb) 27 Ruthen und 7,5 Schuh Acker sowie Haus, Hofraidt und Garten daran
David Levi (1761 in kurpfälzischem Dienst, Gondelsheimer und Wartenberger Pflicht) 1,25 Morgen Grund sowie Haus und Hofraidt

David Levi starb 1786 in Sembach, vor ihm die beiden anderen. Sie dürften die ersten Bestatteten auf dem Mehlinger Friedhof gewesen sein. Ihre Gräber sind verschwunden. Die Familien wohnten am Kirchweg, an der Dorfgrenze und am Obermehlinger Pfad. Der Kirchweg wurde später als "Judenburg" bezeichnet. Geduldet waren zu dieser Zeit nur Schutzjuden, die die ihnen auferlegten Schutzzölle bezahlten. Schon früh übten diese Juden ihren Handel auch an den christlichen Sonn- und Feiertagen aus. Das störte viele Einwohner, so dass eine Verordnung von 1764 den Juden Strafe androhte, wenn sie den Kauf und Verkauf oder Handel vor dem Nachmittagsgottesdienst der christlichen Gemeinde trieben. Sie mussten Ruhe in ihren Häusern halten und durften auf den Straßen nicht hin- und hergehen.

Über die Zuwanderung weiterer Juden wissen wir nur wenig. Das Seelenregister von Sembach von 1830 gibt darüber nur wenig Auskunft. Da bis 1830 der Wegzug jüdischer Bürger bereits in vollem Gange war, erfahren wir nur aus den Heirats- und Sterbeakten ab 1795 mehr. Der weitere Erwerb von Grund und Boden blieb den Juden verwehrt. Daher nahmen diese nur zögerlich das Recht einer Ansiedlung in Anspruch. Für sie blieb nur der Vieh- und Spezerei-, sowie Kleinhandel, das Sammeln von Lumpen und Alteisen. Erst seit dem Bau der Kaiserstraße gab es in Sembach einen jüdischen Metzger (Schächter), der auch die christlichen Haushalte versorgte.

Nach der Französischen Revolution kamen auch Makler hinzu. Die reichen Juden und Nichtjuden wohnten in der nahen Stadt. Die Sembacher jüdischen Familien waren kinderreich. Verarmte Judenmädchen suchten oft eine Stellung bei reichen Judenfamilien. Viele Jugendliche bettelten bei reichen Glaubensgenossen.

Mit der Französischen Revolution verschwand die Herrschaft der Grafen von Wartenberg. Die Schutzzölle für die Juden fielen weg. Ihre Gleichberechtigung mit den anderen Bürgern brachte auch eine freie Kultusausübung. Der Verkehr auf der Kaiserstraße von Mainz nach Kaiserslautern (nach 1810) führte zu einem Aufschwung für Handel und Wandel. Nach dem Bau der Fruchthalle in Kaiserslautern blühte auch der Getreidehandel, der sich später in die Stadt verlagerte.

Bei hohen Geburtenzahlen bis 1850 mussten viele Jugendliche den Ort verlassen, einige wanderten aus. Von da an überalterte die jüdische Gemeinde in Sembach, die Geburtenzahl sank rapide bis zum Jahre 1880. Die verbliebenen Familien hielten engen Kontakt zu den reichen Familien in Göllheim, Steinbach, Odernheim, Altenglan, Illingen und Blieskastel. Dabei fanden sie auch einen wirtschaftlichen Rückhalt. Nur wenige Familien blieben bis zur Nazi-Herrschaft in Sembach. Viele wanderten nach Nord- und Südamerika aus. Im Judenpogrom von 1938 musste die Familie Mann Schlimmes erleben. Simon Mann, der sich um die Gemeinde besonders verdient gemacht hatte, wurde 1941 nach Gurs in Südfrankreich abtransportiert. Er starb am 27.02.1941 im Lager Noe. Das gleiche Schicksal erlitt Ferdinand Berg (Rubel Berg). Er Starb am 11.02.1940 in Gurs. Isidor Straß und seine Frau Natalie mit Sohn Walter wanderten 1938 in die USA aus.


Aus: "Mahnende Zeugen der Vergangenheit" von Lothar Horter und Michael Tilly


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